Was bringt CBD bei chronischen Schmerzen?

Nachdem ich bereits über 1 ½ Jahre täglich 50 bis 100 mg Tilidin genommen hatte und vermutlich auch davon abhängig war, erzählte mir Rolf im Dezember 2017, dass es auch möglich wäre, CBD Öl, also das medizinischen Cannabis bzw. Medizinalhanf als Schmerzmittel zu nutzen. Ich war neugierig, hatte aber auch Angst, auf das Tilidin zu verzichten. Die Neugier war jedoch stärker.

 

Was ist CBD und wie sahen meine ersten Erfahrungen damit aus?

CBD steht für Cannabidiol. Es hat keine berauschende Wirkung, da der THC Gehalt bei den meisten Produkten unter 0,02 Prozent liegt.

CBD gibt es häufig als Öl, es gibt aber mittlerweile auch andere Darreichungsformen (Kapseln, Paste). Meine Erfahrungen beziehen sich auf das Öl und zum Teil auch auf CBD Liquid, welches man in der E-Zigarette rauchen kann.

Ich merkte schnell, dass CBD in der Anwendung nicht mit anderen Schmerzmedikamenten zu vergleichen ist. CBD wirkt bei vielen verschiedenen Störungen, Erkrankungen oder Schwierigkeiten und ist in seiner Dosierung von der Erkrankung selber bzw. der Schwere der Erkrankung und anderen Faktoren wie etwa meiner Größe und meinem Gewicht abhängig. Die richtige Dosierung erforderte also erst mal die Orientierung in der entsprechenden Literatur. Dann sollte die Dosis langsam bis zu der für meine Erkrankung geeigneten Zieldosierung gesteigert werden.

Ich bestellte das CBD relativ einfach im Internet und konnte einige Tage später den ersten Versuch mit dem ÖL machen. Ich fing mit dem 5 % igem Öl in einer 10 ml Flasche an.

Als ich es zum ersten Mal nahm, hatte ich mit fünf Stunden einen Ausnahmearbeitstag in meiner Praxis, den ich als Selbständige nicht anders hatte regeln können. Mein Mann musste mich von meiner Praxis abholen, weil ich aufgrund der stärkeren Schmerzen durch das lange Sitzen nicht mehr nach Hause hätte laufen können.

Ich hatte bereits morgens um 11 Uhr und nachmittags um 14 Uhr jeweils 50 mg Tilidin genommen, dies reichte aber an diesem Tag nicht aus.

Als erste Dosierung nahm ich von dem 5 % igem Öl drei Tropfen des fast schwarzen Öls. Der Geschmack war fürchterlich, das muss ich leider sagen. Allerdings setzte nach ca. 20 Minuten eine Wirkung ein, die für mich durchaus mit der Wirkung von Tilidin vergleichbar war. Ich war sehr positiv überrascht. Ich hatte mich etwas in die Literatur eingelesen und sah den Versuch mit dem CBD als Experiment ohne viel zu erwarten. Die Wirkung war bei mir direkt überraschend gut und hielt auch für einige Stunden an.

 

Vom Tilidin zum CBD

Die erste Erfahrung mit dem CBD war also mehr als positiv. Der nächste kurzfristige Schritt bestand darin, eine Tilidin, also 50 mg, durch eine Gabe CBD zu ersetzen. Ein mittelfristiges Ziel war, dass ich ganz auf das Tilidin würde verzichten können, da die Nebenwirkungen einer jahrelangen Opiateinnahme wie beispielsweise Nierenschädigungen nicht unerheblich sind. Als kurzfristige Nebenwirkungen des Tilidins spürte ich vor allem ein Art „Bedröhntsein“ , das heißt ca. 20 Minuten nach der Einnahme fühlte ich mich wie in Watte eingepackt, ich hatte starken Juckreiz vor allem im Kopfbereich, meine Atmung verlangsamte sich sehr stark (Atemdepression) und ich war extrem geräuschempfindlich. Diese Nebenwirkungen des Tilidins hatte ich jeden Tag. Wenn ich es abends nahm, bzw. abends wegen der Schmerzen nehmen musste, konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen. Tilidin beruhigte mich zwar und verlangsamte meine Atmung stark, ich kam damit jedoch nicht in einen richtigen Schlaf. Außerdem hatte ich ab und zu eine Art Rauschzustand bzw. euphorische Zustände. Ich erinnere mich, dass ich eines Morgens in meinen Tee guckte und mir überlegte, dass ich diesen Bio-Earl-Grey Tee vom Discounter doch sehr, sehr, sehr, sehr großartig finde. Trotz dieser Nebenwirkungen fiel es mir schwer, auch nur auf 50 mg Tilidin, also auf die Hälfte, zu verzichten. Auf der einen Seite hing das sicherlich mit der Abhängigkeit vom Tilidin zusammen, auf der anderen Seite war die Schmerzabdeckung durch das Tilidin gut und ich hatte das Gefühl, mit dem Tilidin meine Schmerzen unabhängig von Ärzten, also selbständig regulieren zu können (obwohl natürlich ein Arzt Tilidin verschreiben muss, was jedoch mit meinen Diagnosen überhaupt kein Problem war).

Der Übergang von 100 mg Tilidin zu 50 mg Tilidin in Kombination mit zwei Gaben CBD klappte jedoch insgesamt ziemlich gut. Da ich mich nun dafür entschieden hatte, das Tilidin zumindest zur Hälfte abzusetzen, ersetzte ich eine Tilidin durch zwei Gaben CBD von einem Tag auf den anderen. Ich hatte keine Entzugserscheinungen als Folge des Absetzens der Hälfte des Tilidins. Vielleicht wurden diese aber auch von dem CBD gemildert. Ich nahm dann morgens CBD, nachmittags Tilidin und abends wieder CBD. An dieser Stelle weise ich deutlich darauf hin, dass es sich bei der Kombination von Tilidin und CBD um eine experimentelle Schmerztherapie handelt, es gibt also noch keine Studien darüber. Daher hatten Rolf und ich besprochen, dass ich immer einige Stunden zwischen der Einnahme der beiden Wirkstoffe verstreichen lassen würde.

Die CBD Dosis steigerte ich über die Wochen auf bis zu 7-9 Tropfen des 5 % igen Öls pro Gabe. Mit dieser Kombination fühlte ich mich ganz gut abgedeckt und behielt sie einige Monate bei, bis ich mich gut und sicher genug für den nächsten Schritt fühlte: das Ersetzen der verbliebenen 50 mg Tilidin durch LDN bzw. Naltrexon.

Doch davon mehr im nächsten Blogartikel.

 

Meine Erfahrungen nach ein paar Monaten der Einnahme von CBD

Nach einigen Monaten würde ich nach wie vor sagen, dass das CBD die Schmerzen gut abdeckt. Es hat für mich in der Dosierung 2 mal 7 – 9 Tropfen des 5 % igem Öls pro Tag die gleiche Wirkung wie 50 mg Tilidin. Beim CBD habe ich keine der unangenehmen Nebenwirkungen des Tilidins. Insgesamt stelle ich bei mir generell kaum bis keine Nebenwirkungen des CBDs fest. Wenn ich ein neues CBD Öl ausprobiere, kann es vorkommen, das ich für ein paar Tage etwas Durchfall habe. Neben der guten und zum Tilidin gleichwertigen Schmerzabdeckung stellte ich nach einiger Zeit (vielleicht 2-3 Wochen) eine etwas ausgeglichenere Stimmung bei mir fest. Dies schreibe ich auch dem CBD zu. An Tagen, an denen ich mehr Schmerzen habe, nehme ich eine zusätzliche Dosis CBD. Dies läuft dann auch unproblematisch und ohne Nebenwirkungen. Insgesamt bin ich also sehr zufrieden.

 

Zusammenfassung – Was bringt dir CBD bei chronischen Schmerzen?

CBD kann dir gut bei chronischen Schmerzen helfen. Für mich ist es allerdings nicht so ohne weiteres mit anderen Medikamenten bzw. Schmerzmitteln zu vergleichen. Wenn du CBD nehmen oder ausprobieren willst, liegt es in deiner Verantwortung, dich über die Wirkweise und die für dich und deine Situation richtige Dosierung zu informieren. Dies ist jedoch relativ leicht über Literatur oder das Internet möglich.

Ärzte werden in Bezug auf CBD unter Umständen eher unwissend, abweisend oder abwertend reagieren. Dies war in der überwiegenden Mehrheit (bis auf ganz wenige Ausnahmen) meine Erfahrung. Obwohl Ärzte seit März 2017 das medizinische Cannabis verschreiben dürfen, kannte sich so gut wie kein Arzt, bei dem ich war, damit aus. Du musst also damit leben können, dass du, wenn du beim Arzt bist und deine aktuelle Schmerzmedikation angibst, merkwürdig angeguckt wirst. Auch wenn du „medizinisches Cannabis“ sagst, werden die Ärzte es unter Umständen nicht verstehen.

Wenn du überängstlich bist, was deinen Körper angeht, wird es vielleicht zu viel Stress bedeuten, wenn du CBD ausprobierst. Wie gesagt, CBD und auch die Kombination Tilidin und CBD sind experimentelle Schmerztherapien.

Wenn du, so wie ich, neugierig bist und bereit bist, selbst für dich und deine gesundheitliche Situation die Verantwortung zu übernehmen, kann dir der Wechsel von Tilidin zu CBD eine gleichwertige Schmerzabdeckung plus leichter Stimmungsaufhellung ohne die Nebenwirkungen von Opiaten bringen.