Meine komplette Schmerzmedikation bei einem „chronischen Schmerzsyndrom“ mit dauerhaften Schmerzen, Schmerzattacken, aber auch schmerzfreien Zeiten nach zwei großen Rückenoperationen besteht also aus der täglichen Einnahme von Naltrexon in einer niedrigen Dosierung (LDN, 3 mg) und CBD, also Cannabidiol in einer höheren Dosierung.

 

Exkurs: LDN und CBD – warum funktioniert diese Kombi? Theoretische Hintergründe. Von Rolf Klein

Ich muss dazu etwas ausholen: Im Jahre 1984 kam Naltrexon auf den Markt und wurde bei Heroinabhängigen eingesetzt, da man hoffte, dieser Opioid-Antagonist würde die Abhängigkeit durch Unterdrückung des Drogenhighs bekäpfen. Das funktionierte nicht, die Patienten fühlten sich miserabel, da die übliche 50mg Dosierung auch eine Unterdrückung der wichtigen körpereigenen Opioide bewirkte.  Kurze Zeit später wurde erkennbar, dass man ein neues, noch schrecklicheres Problem hatte. Immer mehr Opiatabhängige waren HIV-positiv, erkrankten also nach und nach an AIDS. Zur Kernsymptomatik dieser Erkrankung gehört die fortschreitende Schwächung des Immunsystems. Diese drückt sich u.a. auch in einem dramatischen Abfall der körpereigenen Opioide aus.

Der menschliche Organismus produziert diese u.a. auch als Endorphine bekannten Substanzen –außer bei intensiver körperlicher Verausgabung- nur in den späten Nachtstunden. Einer der beteiligten Ärzte, Dr.Bihari, suchte nach Wegen, den Endorphinspiegel bei diesen Patienten wieder anzuheben. Er fand durch systematische Versuche und entsprechende Messungen heraus, dass eine extrem niedrige Einnahme von Naltrexon zur Schlafenszeit (1.75 – 4.5mg) in den Stunden danach zunächst zu einem weiteren Abfall, dann aber –wohl im Sinne einer Gegenregulation- zu einem eindrucksvollen Anstieg der körpereigenen Opioidproduktion führte. Dr. Bihari spricht von einer Steigerung um 200-300% am Folgetag, stabil immer wieder auslösbar und ohne nennenswerte Gewöhnungseffekte. Ein so hoher Spiegel hat viele Wirkungen auf den Patienten, u.a. stimmungsaufhellend, immunmodulierend und eben auch schmerzdämpfend.

Zur Zeit dieser Entdeckungen hatte man grade einmal begonnen, das Endocannabinoidsystem zu bemerken und zu erforschen. Rückblickend erscheint es fast unbegreiflich, dass es der medizinischen Forschung so lange entgangen war. Heutzutage ist es schwierig, mit der Flut von Forschungsarbeiten zum ECS noch Schritt zu halten. Die Bedeutung der Cannabinoide, also sowohl der vom Körper selbst produzierten Stoffe wie auch der Phytocannabinoide, für die Gesundheit kann wohl kaum noch überschätzt werden.

CBD, als eine von mittlerweile über 100 Substanzen, die aus Hanfpflanzen isoliert wurden, hat im Gegensatz zu THC keine berauschende Wirkung, aber ein großes therapeutisches Potential. Hier ist nicht der Raum, darauf im Detail einzugehen.

Grob vereinfacht, bewirkt die LDN-Anwendung eine Aktivierung des Endoopioid-Systems, CBD eine Modulation des hochkomplexen und bisher nur ansatzweise verstandenen Endocannabinoidsystems. Beide Systeme haben zwar auch Wechselwirkungen miteinander, sind aber auch deutlich genug voneinander differenziert, dass man sie parallel ansteuern kann und bei geeigneter Wahl der Mittel eher Synergismen als problematische Nebenwirkungen bekommt. Das gilt auch insbesondere für Schmerzproblematiken.

Naltrexon wird bei diesem Ansatz in vergleichsweise winzigen Mengen eingesetzt, CBD ist im praktischen Sinne völlig ungiftig (wie übrigens nach bisherigem Erkenntnisstand alle Cannabinoide), jedenfalls unproblematischer als Überdosierungen von Haushaltszucker oder Kochsalz.

Trotzdem handelt es sich um einen hochexperimentellen Ansatz. Man sollte sich also dieser Verantwortung bewusst sein und sich als Anwender jede mögliche medizinische/therapeutische Unterstützung holen.

 

Was sind für mich die Vor- und Nachteile dieser experimentellen Schmerztherapie?

Vorteile

Im täglichen Leben mit chronischen Schmerzen stehen für mich neben der guten Schmerzabdeckung, die wie ich ja schon an mehreren Stellen beschrieben habe, dem Tilidin gleichwertig ist, vor allem die Stimmungsaufhellung, die größere, auch körperliche Entspannung und mehr Ausgeglichenheit durch LDN und CBD ganz klar im Vordergrund. Zudem habe ich so gut wie keine Nebenwirkungen, ganz anders als beim Tilidin.

 

Nachteile

Als einen Nachteil sehe ich die momentanen Kosten von Naltrexon und CBD. Im Vergleich zu den Schmerzmitteln auf Rezept entstehen durch diese Schmerztherapie deutlich höhere Kosten. Und somit limitiert sich auch die Gruppe von Personen, die Zugang zu dieser Art Schmerztherapie haben, bzw. sich diese Art Schmerztherapie leisten kann und will.

Für das CBD kommen bei mir ca. 800 Euro pro Jahr und für das LDN ca. 230 Euro pro Jahr zusammen. Das sind also über 1000 Euro pro Jahr für meine Schmerzmedikation.

Ein anderer Nachteil ist die Beschaffung von Naltrexon und CBD. Beim Naltrexon ist es wichtig, einen Arzt zu finden, der hier mitspielt und dieses Medikament auf Privatrezeptbasis verschreibt.

Beim CBD gibt es aufgrund von Unsicherheiten in der Interpretation der Rechtslage und Übervorsichtigkeit immer wieder Schwankungen in der Verfügbarkeit von CBD bei Anbietern wie amazon, ebay oder den großen Drogerieketten.

 

Mein Fazit zu der Kombination LDN und CBD

Insgesamt bin ich mit der Kombination LDN und CBD sehr zufrieden.

Trotz der Kosten möchte ich insgesamt nicht mehr auf LDN und CBD verzichten.

Für mich stehen die positiven Auswirkungen, also die Schmerzabdeckung und die Auswirkungen auf meine Befindlichkeit absolut im Vordergrund und lassen mich die Kosten gerne in Kauf nehmen.

Insgesamt habe ich auch ein anderes Gefühl dem CBD und dem LDN gegenüber, im Gegensatz zum Tilidin. Ich habe das Gefühl, dass vor allem das CBD mir ganzheitlicher hilft und nicht „nur“ die Schmerzen für ein paar Stunden unterdrückt, wie das Tilidin. CBD bzw. Hanf als eine der ältesten Heilpflanzen wirkt nicht nur auf meine Schmerzen sondern hat auch einen Effekt bei zum Beispiel Angst, Spannungssituationen und Schlafstörungen, alles Probleme, die bei mir aufgrund der Schmerzproblematik auch ein Thema sind. Hinzu kommt, dass ich keinerlei Nebenwirkungen habe, ganz anders als unter der Tilidin-Medikation.

Im Moment kann ich sagen, dass ich definitiv nicht mehr zum Tilidin bzw. zu Opiaten zurück möchte.